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70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit Anwaschbericht

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70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit Anwaschbericht

Beitrag#1von Gabi » 2. Sep 2016, 17:32

Hallo, zusammen,

konnte eben nach immerhin 40 Stunden Wartezeit meine 70%ige Olive mit Käseplatte ausformen und schneiden. Nicht das sie fest wäre: nein, nein - die Konsistenz liegt je nach Stück irgendwo zwischen Butter bei Zimmertemperatur und Butter in der prallen Sonne. Aber das ist erstmal OK, weil ich diese Seife in erster Linie gesiedet habe, um ein paar Phänomene der Gelphase zu verstehen, und dazu muss man wohl schon reinschauen, bevor die Seife fertig ist (außerdem hätte mir das Miststück sonst die Blockform weiter blockiert).

Rezept, Versuchsverlauf und meinen zwischenzeitlichen Hilferuf gibt es hier:

tipps-tricks-fur-einsteiger-und-experten/aggregatzustamd-und-temperatur-gelphase-t33850.html

Hier das Foto von den durch ein Sieb passierten Zusätzen (Ziegenkäse, reife Feige, Trauben, Feigensenfsauce ):

Bild

Was mögen diese 120g Glibber wohl für einen Wassergehalt haben? 80%? 90%? Wenn das so wäre, hätte ich, ganz grobe Richtung, wohl mit knapp 50% Wasser gesamt gesiedet.

Die Seife habe ich bis zum dicken Puddingstadium gerührt, nach dem Einformen bekam sie schnell Elefantenhaut und eine harte Deckschicht. Und dann hat sie angefangen, sich aufzuheizen. Bei 54° hat sie angefangen, sich komplett wieder zu verflüssigen. Habe ihr einen "gelus interruptus" aufgezwungen, indem ich die Isolierungen weggenommen habe, und die Temperatur ist rasant schnell gefallen. Zu meiner größten Überraschung ist die Verflüssigung aber auch bei 47° noch weitergegangen, bis die gesamte Blockform nur noch Suppe enthielt. Den weiteren Verlauf kann man dem Thread oben entnehmen.

Weil ich überzeugt davon war, dass die Suppe weder Öl noch Lauge war, sondern eine flüssige Gelphase, also werdende Seife und nicht etwa getrennte, habe ich sie in Ruhe gelassen und nicht versucht, zusammenzurühren. Und siehe da, es wurde wieder gelig. Allerdings war das nach 24 Stunden immer noch transparente Vaseline mit Elefantenhaut und absolut eiskalt. Hab mich erbarmt, und ihr 2 x 10 Sekunden Mikrowelle gegönnt. Das hat gereicht: sie hat sich dann selbstätig wieder aufgeheizt und ist ganz allmählich fester geworden. Nach 40 Stunden sah sie so aus:


Bild

Oben links: man sieht die Seite, die in der Form oben war, ich hoffe, man kann erkennen, dass die Konsistenz wie "Butter in der Sonne" ist, durchzogen von Ölspuren.

Oben rechts: man sieht die Seite, die in der Form unten war. Diese Seite ist wie feste Butter. Das Loch ist die Austrittswunde des Thermometers. Interessant ist, dass sich die nur 5 mm weit verfolgen lässt: in diesen 5 mm war der Leim also fest genug, um das Loch zu behalten, alles darüber ist wieder zu gelaufen.

Unten links: weichen Seifenblock vorsichtig geteilt, direkt da, wo das Thermometer rein ging. Unten Mitte: Detailaufnahme von der Stelle. Ich hoffe, man sieht das austretende Öl. Unten rechts: Seitenansicht - man sieht, dass trotz der vollständigen Verflüssigung nicht die gesamte Marmorierung nach unten abgesunken ist (verdammt, ich hätte keine Topfmarmorierung, sondern Schichtseife machen sollen - dann wüsste ich jetzt genau, was abgesackt ist und was nicht!)

Dann habe ich diesen inhomogenen Seifenblock in mehreren Raumwegen geschnitten, auf der Suche nach dem "unfertigsten" Stück:

Bild

Wie zu erwarten, lag das in der Nähe des Thermometereingangs, also da, wo die Seife am meisten Temperatur verloren hat am Anfang der Gelphase (linkes Bild). Das Stück habe ich geküsst: wenn es überhaupt britzelt, dann nur ganz minimal. Schmeckt aber etwas scharf, so ähnlich schmeckt aber auch das verwendete Olivenöl, das da noch reichlich runterzulaufen scheint.

Rechtes Bild: hab tatsächlich auch noch 2 gut durchmarmorierte Stücke im Seifeninnern gefunden und nicht nur am Rand.

Ich werde dieses Rezept demnächst nochmal nachsieden, auch mit Temperaturkontrolle, und nur die "nassen" Zutaten durch trockene ersetzen, so dass ich unter 30% Wassergehalt komme statt fast 50% wie hier. Das selbstätige Aufheizen will ich trotzdem erzwingen, dann halt mit Honig statt mit Fruchtzucker. Schauen wir mal, was die Gelphase dann macht.

Edit geht die Bilder mal sichtbar machen.
Zuletzt geändert von Gabi am 9. Okt 2016, 12:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#2von Mika » 2. Sep 2016, 22:14

:c041: Unsereins ist froh, wenn die Seife was wird und was machst du - ein Seifenversuchslabor !! Wenn du die Pflanzen alle durch hast , kommen dann Eiweiß und Protein in Form von Insekten und Maden dran ? :smilie_girl_004:

Spaß beiseite - viel Freude beim Experimentieren - und wie Rokoed schon gepostet hat, wir sind gar nicht beleidigt , wenn du Klaus zu dir
einlädst ! :c015:
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Jutta
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#3von Gabi » 2. Sep 2016, 23:53

Das waren nur die Reste von der Käseplatte, die wir vorher gemampft haben! Und die kamen mir gerade zupass um eine Seife aufzuheizen :c041:

Und das mache ich, weil meine dritte Seife mich mit vermeintlichem Trennen genau so überrumpelt hat. Jetzt will ich nur verstehen, warum :c015:
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#4von Showermärchen » 3. Sep 2016, 10:37

Senf :smilie_girl_004: Wird das eine Seife für Morgenmuffel die frühs nicht aus den Puscheln kommen? :c041:

Auch schön wie du das Ding liebevoll Miststück nennst :c015:

Die Farben sind trotzt allem ziemlich toll geworden. :smilie_frech_053:
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#5von Gabi » 3. Sep 2016, 13:40

Von der Feigensenfsauce war auch noch 1 TL übrig auf der Käseplatte: der musste dann mit rein, um die Seife abzuschmecken :c041:

Und von der Optik hab ich in 6 Wochen nicht mehr viel, wenn das, was ich denke, stimmt: da muss noch sooo viel Wasser verdunsten, die wird vermutlich reißen und bröckeln. Meine Avocado nach ganz anderem Rezept, die aber die gleiche Krankheit hatte (= flüssige Gelphase nach aufheizen mit Honig, 30% Wasseranteil + Wasser aus100 g frischer Avocado) bröckelt jetzt schon nach 5 Wochen sehr ländlich- rustikal.

Bin mal gespannt: hätte mir auch nicht träumen lassen, dass ausgerechnet Wasser zu den Zutaten gehört, die ich erstmal verstehen muss.
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#6von Showermärchen » 3. Sep 2016, 16:01

Mach mir keine Angst. :D Meine 2 Oliven von letzter Woche haben auch zuuuu viel Wasser...d.h. Hafermilch...wehe die bröckeln. Hier wird nicht gebröckelt :dudu2:

Wobei meine nicht sonderlich heiß wurden. Die werden sich nur wieder zu einem eingedellten Dingsbums verziehen :c015:
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#7von Gabi » 9. Okt 2016, 12:33

Und auch hier jetzt nochmal den Anwaschbericht.

Das ist die Seife, die mich bis jetzt am meisten überrascht hat mit allem, was sie getan hat. Zu allem Überfluss habe ich diese Woche beim Anwaschen festgestellt, dass es meine bisher beste Seife ist, und das hat mich dann mal so richtig, richtig blöd aus der Wäsche gucken lassen :c041:

1) 70% Olive und nur 10% Schaumfett und die noch junge Seife schäumt. Keine Schaumberge, sondern kleinblasiger Schaum, aber absolut reichlich genug, und er entsteht sofort. Man muss wirklich sehr lange reiben, damit er sich in etwas cremiges verwandelt, fügt man dann wieder ein Bisschen Wasser hinzu, wird aus der Creme aber sofirt wieder Schaum, und der ist dann auch sehr reichlich und etwas größer blasig. Der Schaum ist so stabil, dass er beim Trocknen der Seife als trockener Schaum erhalten bleibt, wenn man die Seife nicht abspült.

2) Es ist mir nicht gelungen, auch nur das kleinste Bisschen Schleim zu erzeugen, und ich habe es wirklich versucht, indem ich die seife unter warmem Wasser solange gerieben habe, bis die Oberfläche durchgehend leicht aufgeweicht war (ca. 2 - 3 Minuten am Stück).

3) Zu alldem muss man sagen: die Seife ist bis jetzt noch nicht einmal so hart, wie man es von einer Olive erwarten würde. Die hatte ja reichlich Wasserüberschuss.

4) Allerdings muss man auch bedenken, dass ich perfektes Wasser habe: kommt mit nur 1° Karbonathärte, 3° Gesamthärte und pH 7,0 aus der Leitung (Fische, daher die genaue Kenntnis).(Edit sagt, dass die Härteangaben für Leute, die keine Fische haben, missverständlich sind. Die Zahlen haben nichts gemeinsam mit denen, die die Wasserwerke ausgeben. Ich habe sehr weiches Wasser, vor allem fast kalkfrei)

Rezept und erster Teil des Werdegangs hier:
tipps-tricks-fur-einsteiger-und-experten/aggregatzustamd-und-temperatur-gelphase-t33850.html?hilit=%20K%C3%A4seplatte
Zweiter Teil des Werdegangs und Fotos im Eingangpost zu diesem Thread.

Ich fasse es nicht: bewusst Klaus eingeladen, so ziemlich alles ganz anders gemacht, als in der Theorie richtig wäre, eine Olive mit geschätzten 50% Wasseranteil gemacht, die sich vermeintlich getrennt hat und die ich NICHT wieder zusammen gerührt habe, und nach 6 Wochen habe ich ein Seifenstück mit perfekter, glatter Struktur, nicht verzogen, fein schäumend, nicht schleimend. Edit: und das Hautgefühl ist top, gut durchfeuchtet und gepflegt nach dem waschen.

Wie kann das sein? Was habe ich in dem irren Rezept und Prozessablauf denn jetzt nun sooo richtig gemacht, dass es alle Fehler kompensiert hat?
Zuletzt geändert von Gabi am 9. Okt 2016, 13:06, insgesamt 3-mal geändert.
liebe Grüße, Gabi

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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit besseren Fotos

Beitrag#8von rokoud » 9. Okt 2016, 12:41

Mika hat geschrieben: :c041: Unsereins ist froh, wenn die Seife was wird und was machst du - ein Seifenversuchslabor !! Wenn du die Pflanzen alle durch hast , kommen dann Eiweiß und Protein in Form von Insekten und Maden dran ? :smilie_girl_004:

Spaß beiseite - viel Freude beim Experimentieren - und wie Rokoed schon gepostet hat, wir sind gar nicht beleidigt , wenn du Klaus zu dir
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nööö, wirklich gar nicht! :a050:
Liebe Grüße
Sonja :anmache2:
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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit Anwaschbericht

Beitrag#9von Gabi » 9. Okt 2016, 14:31

Also, die besonders feine innere Struktur der Seife kann ich mir, glaube ich, erklären, ich glaube, das ist nur Physik :mrgreen:

Die Seife war über 20 Stunden lang in einem gallertartigen, kalten Zustand "stehen geblieben" in ihrer Entwicklung, bevor ich sie, ohne neu zu rühren, mit ganz kurz Mikrowelle wieder "angeschubst" habe. Die Gallerte war ähnlich wie Wackelpudding, nur noch deutlich weniger fest.

Beim Rühren einer "normalen" Seife zieht man ja zwangsläufig auch Luft in die Masse. Solange der Leim noch sehr flüssig ist, finden die allein nach oben raus, weil sie leichter sind als der Leim. Je mehr der Leim andickt, desto schwerer wird das. Große Luftblasen holen wir raus, indem wir die Form aufklopfen. Aber ich denke, so ganz, ganz kleine bleiben drin, weil sie es nicht schnell genug schaffen, die zähe, erstarrende Pampe beiseitezudrücken auf ihrem Weg nach oben.

Bei meiner Seife gab es aber 20 Stunden lang keine zähe (und schon gar keine erstarrende) Pampe: da wird jedes noch so winzige Luftbläschen raus sein. Und vielleicht (nur ganz vielleicht) konnte sich auch die Molekülstruktur der Seife in der Gallerte einfach ordentlicher kramen, als es in einem "normalen" Leim der Fall gewesen wäre.

Aber da hört es dann auch auf mit dem Verständnis: warum diese Olive so super schäumt und absolut nicht zum schleimen zu bringen ist, verstehe ich nicht.
liebe Grüße, Gabi

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Re: 70%ige Olive mit Käseplatte: edit mit Anwaschbericht

Beitrag#10von mini69 » 9. Okt 2016, 14:45

Mein Erfahrung nach schleimen auch nur reine Olivenölseifen.
Sobald noch andere Fette im Spiel sind, gibts auch keinen Schleimen mehr.
Liebe Grüße Claudia
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